Die Welt in Beschleunigung – Global warming


 

Warming up - Carmen IsslerDie Tänzerin steht bewegungslos auf der Bühne, schnelle, rot-schwarze Videobilder laufen über sie hinweg. Im Auge des Hurricans formiert sich ein gigantischer Trichter, der wirbelnde Sog des Tornados droht die Figur in sich hineinzusaugen, sie zu verschlingen. „In Mexiko erlebte ich das erste Mal hautnah die zerstörerische Wirkung eines Hurricans,“ erzählt Carmen Rodina (Issler). „Seine Heftigkeit hat bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen.“ Die Zunahme der tropischen Wirbelstürme in den letzten Jahren hängt mit der globalen Erderwärmung zusammen. Diese Tatsache und die vielfältigen Eindrücke, die Carmen Rodina während ihres Aufenthalts in Kuba, Mexiko, Guatemala und Taiwan und in der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Kulturen dieser Länder sammelte, inspirierten sie zu ihrer neuen Choreographie „Warming up„. Das Stück ist eine tänzerische Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Klimawandels. Carmen Rodina arbeitet  mit Videoprojektionen, die das Geschehen verdichten und dem Bühnenerlebnis eine visuelle Dimension verleihen.

Erkenntnis, Technik und Moderne

Wolkenkratzer, Autobahnen, graue Häuserfluchten. Hektisch- pulsierender Rhythmus einer Metropole. Erste Erfahrungen des Mangels und der Entbehrung. Das Werk der Zerstörung findet seinen künstlerischen-abstrakten Ausdruck in den drei Figuren, die mit dem Rücken zum Zuschauer in wechselnden farbigen Lichtstreifen stehen. Mal sind Beine und Kopf abgeschnitten, mal der gesamte Unterkörper. Mit einer leichten synchronen Drehung wenden sich die Tänzer dem Publikum zu. Immer noch stehen sie wie an die Wand genagelt, die Bewegungen sind marionettenhaft, kaum wahrnehmbar, der Minimalismus in der Musik und in den Bewegungen transportiert die innere Unruhe nach außen. Schließlich entlädt sich die fast bleierne, elektrisch aufgeladene Stille in einem packenden, mit großer artistischer Präzision dargebotenen Tanz der Rohre: Abschied vom Wald.

Eisschmelze

Nebel vor mächtigen Berggletschern schaffen eine asiatisch-meditative Atmosphäre. Die Tänzer schieben sich nacheinander mit winzigen Sohlenschritten langsam seitlich in die Bühne hinein, sie tragen weiße Gewänder mit verlängerten tuchartig transparenten Ärmeln. In Warming up hat Carmen Rodina erstmals auch Elemente des chinesischen Tanzes eingearbeitet.

Plötzlich eine rote Lichtexplosion – Die Welt ist aus den Fugen! Seebeben, Erdbeben, glühendheiße Lavamassen – das Tanztrio verausgabt sich zu dynamischen afro-amerikanischen Rhythmen mit Elementen des Modern Dance. Waldbrände, Wirbelstürme, Sturmfluten – die Natur schlägt zurück. Der Mensch wird zum Spielball der Gewalten, die er selbst entfesselt hat.

„Warming up“ ist eine Parabel. Das Tanztheaterstück bringt ein globales Phänomen auf die Bühne, von dem jeder Einzelne, jede Kultur betroffen ist. Indem es chinesische, moderne und afrokaribische Tanzstile miteinander verbindet, ist es Ausdruck des künstlerischen Konzeptes von Art of Global Dance – zeitgenössisches Tanztheater vom Feinsten

Video  Warming up

Choreografie & Produktion:
Carmen Rodina

Lichtdesign & Video Art:
Ralf Frank

Tanz:
Carmen Rodina, Shiu-Chin Yu, Yannick Badier & Guest‘s

Aufführungen:
Schöneberger Tanznacht, Berlin 2008, gefördert durch den Berliner Senat/Bezirkskulturfond, Dauer: 30 min

Kulturzentrum UFA- Fabrik, Berlin 2009, Dauer: 60 min

Fotos:
Wolf Beckmann