Nach über zehn Stunden Flug aus Deutschland traf die neue Aprilgruppe ein. Noch halb im Jetlag, aber alle mit dem festen Vorsatz: Costa Rica pur, Yoga und Entspannung erleben zu wollen. Schon am nächsten Morgen zum gemeinsamen Frühstück, zeigte sich, wie bunt die Truppe war. Diese Gruppe war alles andere als gewöhnlich. Ein Kreis aus Frauen und Männer, die sich bis dahin noch nie gesehen hatten und trotzdem schon nach kurzer Zeit miteinander umgingen, als hätten sie jahrelang gemeinsam Lachyoga praktiziert. Denn egal ob beim Essen, auf Ausflügen oder auch mal während einer Yoga Asana, irgendwo lachte immer jemand. Oft alle. Und nicht zu vergessen Peter Rodriguez, dessen Humor schneller zur Stelle war als jeder Sonnenstrahl nach dem Regen.
Regenwald und yogische Gelassenheit
Unser erster Aufenthalt in La Fortuna, am Fuße des imposanten Arenal-Vulkans, versprach Regenwald pur und hielt dieses Versprechen auf seine ganz eigene Weise. Drei Tage lang, üppig, intensiv und vor allem Regen. Doch die Gruppe trotzte dem Wetter mit erstaunlicher yogischer Gelassenheit. Irgendwer fand immer einen guten Grund, auch den nächsten Regenschauer noch als besonders authentisches Regenwalderlebnis zu feiern, was er natürlich auch war. Die Yoga Einheiten fanden frühmorgens und nachmittags auf dem Yogadesk des »Casa Luna Hotels« mitten im Dschungel statt. Der Regen trommelte unermüdlich auf das Dach, während die Geräuschkulisse um uns herum immer lauter wurde. Ein Konzert aus Zirpen, Rascheln und unbekannten Tierstimmen, alles gleichzeitig. Irgendwann blieb mir nichts anderes übrig, als meine Anleitungen kurzerhand in eine Art Zeichensprache zu übersetzen. Und wir mittendrin, in der Dogpose, ganz selbstverständlich in den überwältigenden, lebendigen Dschungel integriert. Näher dran ging eigentlich nicht.
Ein besonderes Erlebnis war die Wanderung über die Lavafelder des Vulkans. Unsere Guide, von Ecoterra, erklärte uns, man solle auf keinen Fall auf die rollenden Steine treten. Rutschgefahr. Kaum hatte sie den Satz beendet, kam aus der Gruppe trocken der Kommentar von Peter Rodriguez: »Wieso? Die Rolling Stones treten doch eh nicht mehr auf.« Unter Gelächter setzten wir unseren Weg fort, in großzügigem Bogen um jeden einzelnen dieser Steine.
Schon bald entwickelte die Gruppe weiter ihre ganz eigene Sprache. Spätestens als in der halben Vorbeuge plötzlich von »Vorhalte« gesprochen wurde, war klar, die Dinge nahmen ihren Lauf. Aus dem Yoga Desk wurde der »Yoga Desktop« und aus Yoga wurde schnell mal »Yoghurt«. Und niemand stellte das ernsthaft infrage. Alle hatten ihren Spaß dabei. Und ganz ehrlich: Was gibt es Schöneres? Eine Yogareise mit so vielen gemeinsamen Lachmomenten und ganz nebenbei wird auch noch die Bauchmuskulatur trainiert.
Flip-Flops und ein Meer aus Sternen am Playa Muertos
Nach drei Tagen ging unsere Reise weiter Richtung Pazifikküste, mit dem Shuttlebus und anschließend der Fähre. Eineinhalb Stunden schaukelten wir von Puntarenas nach Paquera, zwischen Meeresbrise und leichtem Seegang. Im Shuttlebus wurde es selten langweilig, nicht zuletzt wegen Juan Carlos, einem unserem Fahrer. Er sprach eine eigene Mischung aus Spanisch und Englisch, die wir bald nur noch »Spenglisch« nannten. Mit ausladender Körpersprache, einem tiefen »Hahaha« Lachen aus dem Bauch heraus und erstaunlicher Klarheit erzählte er Geschichten und erklärte uns die Umgebung. So wurde aus jeder Fahrt eine unterhaltsame, manchmal sogar überraschend tiefgründige Begegnung. In Montezuma angekommen, einem kleinen, entspannten Örtchen, wurden wir empfangen, als hätte jemand die Sonne voll aufgedreht. Praller Sonnenschein, tropische Schwüle und Abende, die uns warm umarmten. Nach den vergleichsweise frischen Nächten in La Fortuna war das ein sanfter, aber bestimmter Wechsel in eine andere Klimazone.
Mit auf dem Programm stand auch ein Bootsausflug zum Playa Muertos und später zur geheimnisvoll schimmernden Biolumineszenz. Doch schon beim Ausstieg am Strand zeigte sich wieder einmal der ganz eigene Charakter unserer Gruppe. Niemand wollte seine Flip-Flops im Boot lassen. Der Grund war schnell gefunden oder besser gesagt, erfunden. Der Bruder des Bootsfahrers sei schließlich Schuhhändler. Ob das stimmte, wusste niemand so genau. Aber es reichte vollkommen aus. Und so hüpften wir allesamt mit fest umklammerten Flip-Flops aus dem Boot ins Wasser, als ginge es um wertvolle Wertgegenstände und nicht um ein paar Gummisohlen. Sobald es dunkel wurde, ging es vom Strand zurück auf das Boot. Ein paar Meter weiter draußen stoppten wir, umgeben von nichts als Meer und Nacht. Vorsichtig stiegen wir über eine Hängeleiter am Boot ins Wasser und plötzlich begann es um uns herum zu leuchten. Jede Bewegung zog feine, funkelnde Spuren nach sich, wir schwammen durch ein Meer aus Sternen. Ein kurzes Innehalten, fast ehrfürchtig und dann wieder leises Staunen, durchbrochen von vereinzeltem Lachen. Selbst hier, mitten im Dunkeln, schaffte es die Gruppe, das Magische und das Leichte gleichzeitig zu finden.
Uvita – zwischen Dschungel, Meer und Walflosse
Unser letzter Aufenthalt führte uns nach Uvita, in die Cusinga Lodge, etwa fünf Kilometer außerhalb des Ortes gelegen, ruhig, eingebettet im Grün des Dschungels. Südlich von Dominical gelegen, grenzt Uvita an den Marino-Ballena-Nationalpark, bekannt für seine walflossenförmige Sandbank. Der von Palmen gesäumte Strand wirkt weit und ursprünglich, ein Ort, an dem die Natur noch den Ton angibt. Bei Ebbe wird diese beeindruckende Sand- und Felsformation sichtbar, und wir spazierten über das Meer hinaus. Mehr als nur ein Strandspaziergang, ein kleines Naturwunder.
Kulinarisch gab sich die Gruppe äußerst diszipliniert. Beim Abendessen wurden konsequent zuckerfreie Säfte bestellt, schließlich war man gesundheitsbewusst. Doch sobald die Desserts auf den Tisch kamen, war jede Zurückhaltung vergessen. Mit leuchtenden Augen und beeindruckender Geschwindigkeit verschwanden Kuchen und Süßspeisen aller Art. Eine kleine, köstliche Sünde und ganz yogisch betrachtet: Balance ist schließlich alles.
Zurück in die eigene Mitte
Zwischen all den Ausflügen war Yoga ein fester Anker im Tagesablauf. Nach Wanderungen durch den Nationalpark oder längeren Busfahrten machte sich das schnell bemerkbar. Angespannte Beine wurden wieder leicht, verkürzte Muskeln fanden zurück in ihre Länge, und auch der Rücken entspannte sich spürbar wieder, unterstützt durch spiralförmige Bewegungen, sanfte Rückbeugen und das bewusste Öffnen des Brustraums. Gerade nach den Fahrten über kurvige Straßen war es eine Wohltat, sich wieder aufzurichten, zu strecken und den Körper einmal komplett durch zubewegen. Was sich zwischendurch angesammelt hatte an Verspannungen, Müdigkeit oder einfach ein bisschen Schwere, löste sich oft schon nach wenigen Asanas. Und so wurde aus dem »Yogadienst«, einer Wortschöpfung von Peter Rodriguez, die erstaunlich seriös klang, jedes Mal aufs Neue eine kleine Rückkehr zu sich selbst, bevor es wieder weiterging.
Wenn es jemandem einmal zu viel wurde, sei es die Hitze oder der kollektive Humor, griff man auf eine bewährte Methode zurück. Das aktive Ignorieren. In der Gruppe bekannt als »Katzenblick in die Weite«. Ein stilles, fast meditatives In-die-Weite-Schauen, weich und durchlässig, das gleichzeitig bedeutete: »Ich bin noch da… aber gerade nicht wirklich.«
Zwischen Vorbeugen, die längst zu »Vorhalte« geworden waren, Yogadienst und Katzenblick wurde allen klar: Yoga hat viele Facetten und manchmal gehört auch eine gute Prise Humor dazu. Denn irgendwo zwischen all dem entstand etwas ganz Eigenes: Lachen als Teil der Praxis, als Ausdruck von Leichtigkeit und vielleicht sogar als Essenz von Lebensfreude. Und genau das ist es, was ich auch in meinen Stunden weitergeben möchte, weniger Perfektion und Leistung, dafür mehr Raum, den eigenen Körper bewusst zu erfahren, ihn gesund und anatomisch sinnvoll auszurichten und dabei die Leichtigkeit nicht zu verlieren. Einatmen, ausatmen, durchlässig bleiben – und manchmal einfach lachen.
Und vielleicht entsteht genau hier, zwischen Atemzug, Dschungel und Meeresrauschen, der leise Gedanke: Beim nächsten Mal möchte ich dabei sein.
Weitere Termine im November 2026 unter NEUE WEGE Reisen. Die Costa Rica Yoga Reise entstand in Zusammenarbeit mit NEUE WEGE Reisen und dem Partnerbüro Ecoterra Costa Rica